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Schloss Otočec
Andreja Leški: Der kostbare Moment, in dem man sich erlaubt, innezuhalten und auf sich selbst zu hören
Nach dem Ende ihrer außergewöhnlichen Sportkarriere gönnte sich die Judo-Olympiasiegerin Andreja Leški eine kurze Auszeit in Dolenjska. Bei einem Gespräch im Café des Hotels Schloss Otočec sprach sie über Balance, Entspannung, ihre Identität jenseits des Sports und darüber, warum ihr dieser Aufenthalt als Inbegriff von Raffinesse in Erinnerung bleiben wird.
Andreja, wie kam es dazu, dass Sie sich für eine Wochenendauszeit in Dolenjska entschieden haben?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Den Aufenthalt auf Schloss Otočec habe ich zum Abschluss meiner Karriere geschenkt bekommen. Eine Zeit lang habe ich überlegt, wann wohl der richtige Moment dafür wäre, und dann festgestellt, dass eigentlich genau „jetzt“ der ideale Zeitpunkt ist. Es war also eine ziemlich spontane Entscheidung.
Und wie haben Sie Schloss Otočec und seine Umgebung erlebt? Was hat Sie besonders begeistert?
Das Schloss ist wirklich außergewöhnlich schön – sowohl das Gebäude selbst als auch die Umgebung. Eine seiner größten Besonderheiten ist für mich seine Lage: Es steht mitten im Fluss und ist buchstäblich von Natur umgeben. Schon ein kurzer Spaziergang durch den Schlosspark oder entlang der grünen Krka oder einfach der Blick aus dem Fenster hinterlassen einen starken Eindruck. Man spürt die Ruhe.
Das Schloss bietet genau das, was uns heute oft fehlt: Stille, Langsamkeit und das Gefühl, nicht ständig erreichbar sein zu müssen. Gleichzeitig versetzen einen seine Architektur und die Innenräume ein wenig in eine andere Zeit zurück – und genau das hat einen ganz besonderen Reiz.
Als Spitzensportlerin mussten Sie all die Jahre sehr auf Ihre Ernährung achten. Können Sie sich heute bei solchen Auszeiten auch einfach einmal Ihren spontanen Wünschen hingeben?
Das stimmt, Sportler sind in der Regel sehr diszipliniert, aber ich selbst habe immer für ein gesundes Gleichgewicht plädiert. Kein Extrem ist gut – weder übermäßige Einschränkungen noch das ständige Kontrollieren jeder einzelnen Kalorie. Ich bin mit Ernährung nie auf diese Weise umgegangen.
Auch während meiner Trainingszeit habe ich mir erlaubt, Lebensmittel auszuwählen, die mir schmecken, und mich hin und wieder auch ein wenig zu verwöhnen. Hier auf Otočec ist das noch viel einfacher: Ihre Küche ist wirklich auf einem sehr hohen Niveau, und die Mahlzeiten sind durchdacht und ausgewogen. Deshalb entsteht gar nicht erst das Gefühl, ständig alles kontrollieren zu müssen.
Judo erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Präsenz im Moment. Welche Bedeutung haben für Sie Entschleunigung und Abstand vom Alltag?
Bei einem so intensiven Rhythmus, wie ihn Spitzensportler leben, ist es unbedingt notwendig, Belastung mit Phasen der Ruhe auszugleichen. Abstand, Entspannung, eine bewusste Pause – all das ist entscheidend. Orte wie Otočec spielen dabei eine besondere Rolle. Hier kann man wirklich abschalten, auch vom Internet und von der ständigen Erreichbarkeit.
Ich bin mit der Absicht hierhergekommen, mich zu entspannen und den Kopf freizubekommen. Viele Spaziergänge, tiefes Durchatmen, weniger Zeit am Handy – und ich muss sagen, das gelingt mir ziemlich gut.
"Zur Ruhe zu kommen ist kein Luxus. Es ist eine Voraussetzung dafür, langfristig durchhalten zu können."
Haben Sie ein persönliches Entspannungsritual, das Ihnen hilft, innere Ruhe zu finden?
Vielleicht nicht jeden Tag, aber sehr oft hilft mir das Schreiben. Meine Gedanken, Gefühle und das, was in mir vorgeht, auf Papier festzuhalten – nicht unbedingt in Form eines klassischen Tagebuchs, sondern eher, um den Kopf und die Gedanken zu entlasten. Und die Natur ist das, was mich immer wieder erdet – in jeder Hinsicht.
Als Sie das Ende Ihrer Wettkampfkarriere bekannt gaben, sagten Sie, dass die Karriere eines Sportlers irgendwann endet, der Mensch dahinter aber bleiben muss. Was definiert Andreja Leški heute, mit etwas Abstand betrachtet, am meisten?
Das ist eine sehr grundlegende Frage der Identität, mit der ich mich schon seit gut einem Jahr beschäftige. Immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass mich vor allem Neugier, Tatendrang und Wissbegierde definieren.
Ich bin ehrgeizig und habe einen ausgeprägten Wettbewerbsgeist, aber das beschränkt sich nicht nur auf den Sport. Mich interessieren viele unterschiedliche Dinge – Musik, Kunst, Menschen, das Leben im Allgemeinen. Ich suche immer nach Möglichkeiten, etwas Neues zu lernen und den Moment zu genießen. Das habe ich auch während meiner Karriere versucht beizubehalten, obwohl damals für anderes manchmal kaum Raum oder Zeit blieb. Ich glaube aber, dass es mir durch mein Studium, meine Arbeit und meine Kontakte außerhalb des Sports gelungen ist, mich selbst und meinen inneren Kern zu bewahren.
Wenn Sie diese Auszeit auf Schloss Otočec mit nur einem Wort beschreiben müssten – welches wäre es?
Raffinesse. Alles ist äußerst durchdacht – vom Ambiente und der Einrichtung bis hin zu dem Gefühl, wirklich Teil der Geschichte dieses Schlosses zu sein.